Dienstleistung trifft Tradition

Kurfürstliches Pfandhaus gegründet

Es hat sich viel geändert in der Branche, seit in Berlin 1692 das Kurfürstliche Pfandhaus öffnete. Dort wurden „nach Kaufmanns-Art allerhand Güter und Waren angenommen und verkaufet“. Verfallene Pfänder kamen „unter den Hammer“, welches allezeit öffentlich bekannt gemacht wurde. Gesinde, so ihre Herren bestohlen, und sonst andere Diebe hatten es schwer. Ihre Waren nahm der „Herr Direktor“ zwar an, durfte aber keinen Vorschuß darauf thun, bis er genugsame Nachricht eingeholt . Anders heute. Alles, was es für die Auszahlung braucht, sind Pfand und Personalausweis. Weder müssen Fragen nach Einkommen oder Vermögen beantwortet werden, noch wird die Schufa bemüht. Gefallen am schnellen Kredit finden immer mehr.

Leih- oder Pfandhäuser, jene noch immer oder schon wieder mehr benötigten Institutionen, wo man etwas “versetzen” und dafür schnell Bares bekommen kann, gibt es in Berlin genau seit 305 Jahren. Vom 26. April 1692 ist das “Reglement Sr. Churfürstl. Durchlaucht” Friedrich III. datiert, wonach “das hiesige Adreß-Haus eingerichtet” und zum “Director desselben Nicolas Gauguet”, ein Berliner Hugenotte, bestellt wurde. Ganz am Anfang der umfangreichen Verordnung wird festgelegt, daß an der Tür des Hauses in der Friedrichstraße ein “großes Schild mit Sr. Churfürstl. Durchl. Wappen affigiret” und in deutscher und französischer Sprache verkündet werden soll, daß hier “so wohl in öffentlichen Auctionen als auch sonst nach Kauffmanns-Art allerhand Güter und Waren … angenommen und verkaufet werden”. Namentlich aufgezählt werden dabei nicht nur Juwelen, Gold- und Silberartikel, Stoffe, Hausgeräte und Möbel, sondern auch “Pferde, Kutschen und dergleichen mehr”. Angestellt in der neuen Einrichtung sollten “nur solche Diener” werden, die nicht nur fachlich versiert, “sondern auch deren Treu und Redlichkeit zur Genüge bekant sind”.

Das neue Adreß-Haus wurde bald eine bekannte Adresse in Berlin. Friedrich Nicolai erwähnt es in seiner 1786 herausgekommenen “Beschreibung der königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam” gleich drei Mal. Es werde hier, schreibt er u. a., “Geld gegen hinlängliches Pfand geliehen …
Man bekommt über das Pfand einen Schein auf einen Monat, der aber nach demselben noch ein Jahr, also zusammen dreyzehn, Monate gültig ist.” Die danach verfallenen Pfänder “werden von Zeit zu Zeit verauktioniert, welches vorher allezeit öffentlich bekannt gemacht wird”. Die Zinsen, die 1692 zwei Prozent betrugen, waren inzwischen auf sechs Prozent gestiegen. Hinzu kamen eine Magazinage genannte Aufbewahrungsgebühr von 1,5 Prozent und ein Einschreibungs-Geld von sechs Pfennig bis zwei Groschen. Das Adreß-Haus in der Friedrichstraße ist, wie man im 1834 herausgekommenen “Neuestem Conversations-Handbuch für Berlin und Potsdam”des Freiherrn von Zedlitz nachlesen kann, 1830 geschlossen worden. “Dagegen sind in fast allen Straßen Privat-Pfandleihen entstanden”, schreibt der darüber nicht erfreute Freiherr. Um das Pfandgeschäft wieder in zuverlässigere Hände zu legen, wurde noch 1834 unter dem Direktorat des Geheimen Hofrates Wetzel das Königliche Leihhaus als Abteilung der Preußischen Seehandlung in der Jägerstraße gegründet.

Im Berlin von heute gibt es zwar Pfandleihen nicht mehr “in fast allen Straßen”, aber allein auf den “Gelben Seiten” der Telekom werben 17 Leihhäuser in größeren oder kleineren Annoncen, darunter auch das seit 4 Generationen bestehende, ehemalige Leihhaus Döring, jetzt Pfandkredit Neukölln.